Pfarrer/-inClasen, CorinnaABSCHIED VON PFARRERIN Corinna ClasenPfarrerin Clasen wird unsere Gemeinde verlassen und zum 15. September 2010 eine neue Pfarrstelle in Meisenheim, im Nordpfälzer Bergland, antreten. Die Gemeinde verabschiedet sie und ihre Partnerin mit einem Zentralgottesdienst am Sonntag, 5. September 2010 um 14 Uhr in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche. Anschließend wird zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Pfarrerin Corinna Clasen verabschiedet sich
Am Sonntag, 5. September 2010 um 14 Uhr wird Pfarrerin Corinna Clasen in einem Zentralgottesdienst in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche verabschiedet. Sie wird zum15. September 2010 eine Pfarrstelle in Meisenheim, im Nordpfälzer Bergland, antreten. In einem offenen Brief an die Gemeinde macht sie ihren Wechsel bekannt.
Liebe Gemeinde, liebe Mitarbeitende, derzeit versuchen wir gemeinsam in unserer Gemeinde Umbrüche zu gestalten, um als Gemeinde zukunftsfähig zu werden. Da gilt es, Eingefahrenes zu verändern, Vertrautes loszulassen, Liebgewordenes zu bewahren, Chancen der Veränderung wahrzunehmen, Neues zu wagen… Vor ähnlichen Herausforderungen stehen wir im Kirchenkreis und in anderen kirchlichen Handlungsfeldern. Im Lied „Vertraut den neuen Wegen“ (eg 395) wird von der biblischen Botschaft der Verheißung und des Segens, die über Aufbrüchen und Veränderungen stehen, erzählt. Viele biblische Geschichten werden dort erinnert und schwingen mit: Abraham und Sarah, die es wagen, Gottes Verheißung zu folgen – Jakob, dessen Aufbruch zum Beginn einer Reise zu sich selbst, zu Gott und auch zu seinem Bruder wird, in der die Kraft der Versöhnung sich entfaltet – Mose, der das Volk aus der Sklaverei durch die Wüste der Freiheit bis an die Schwelle des gelobten Landes geleitet – Jesus Christus, der seine Jünger und uns auffordert, in die Welt hinauszuziehen und am Reich Gottes mitzubauen… Dieses Lied bewegt mich immer wieder sehr, wenn ich es singe, denn es ruft in mir eine Sehnsucht und zugleich die stille tiefe Zuversicht wach, dass in Aufbruch und Neubeginn Leben und Segen sich entfalten. Diese Dimension der Hoffnung und des Segens schwingt und strahlt in meiner Wahrnehmung in viele Lebensbereiche hinein, unter anderem in unser Garather Gemeindeleben, welches gerade von schmerzhaften Um- und Aufbrüchen geprägt ist.Aber auch in meinem persönlichen Leben wird immer wieder etwas angestoßen. So ist bereits vor über einem Jahr in mir der Entschluss gereift, in meinem beruflichen und persönlichen Leben größere Veränderungen zu wagen und einen Stellenwechsel anzustreben. Ich habe mir im letzten Jahr verschiedene Pfarrstellenangebote angesehen und mich auch beworben. Nun hat mich die Gemeinde in Meisenheim gewählt und ich werde die Stelle annehmen. Es sind manchmal verschlungene Pfade, die wir geleitet werden, doch haben sie ihre Bedeutung und führen näher zum Ziel. Als ich im Bewerbungsgespräch gefragt wurde, was mich bewegen würde, mich in Meisenheim zu bewerben, kam mir meine Antwort spontan über die Lippen: „Es gibt Sehnsuchtsorte. Orte, an denen ich spüre, hier ist gut sein, hier will ich gerne bleiben. Und ein solcher Ort ist Meisenheim.“ Vor 18 Jahren war ich das erste Mal in Meisenheim bzw. im zur Gemeinde dazugehörigen Dorf Raumbach – als Studentin im Landpraktikum. Seit dem hat es mich immer mal wieder an diesen Ort zurückgezogen. Seit dem habe ich eine innere Bindung zu den Menschen und zur Landschaft dort in mir gespürt. Für meine Partnerin und mich wird es ein großes Wagnis sein, dort hin zu gehen und noch einmal von vorn zu beginnen. Für uns bedeutet es mehr als nur der Wechsel - von der Großstadt in kleinstädtische und dörfliche Strukturen, - von einem in den 60er und 70er Jahren hochgezogenen und noch jungen Stadtteil in eine historische Kleinstadt mit mittelalterlichem Stadtkern, - von modernen Kirchbauten und „Betonsanierung“ hin zur gotischen Schlosskirche und zum „Denkmalschutz“, - vom Niederrhein ins Nordpfälzer Bergland, - vom Rhein an den Glan, - vom Altbier zum Nahewein…. Es bedeutet für uns, - in eine neue räumliche Distanz von Familie und Freunden zu gehen, - liebgewonnene Menschen und Lebensräume zu verlassen, - erfüllende Arbeitsfelder, gewachsene Netzwerke und vertraute Beziehungen zurück zu lassen, - Loslassen, Abschiednehmen und Trauern. Dabei sind wir aber getragen von der Hoffnung, - dass das gemeinsam Erlebte und Gestaltete nicht verloren ist, sondern weiter wirkt und Früchte hervorbringt, - dass die Beziehungen auch weiter tragen, - dass die Menschen, die wir zurücklassen, einen festen Ort in unseren Herzen und Erinnerungen behalten, - dass Neues entstehen und wachsen kann – hier in Garath ebenso wie in Meisenheim. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige von Euch überrascht sind, mancher vielleicht auch besorgt ist. Ich hoffe aber sehr, dass Ihr nicht enttäuscht seid, sondern meine und unsere Entscheidung mittragen könnt. Unsere Garather Gemeinde durchlebt derzeit anstrengende Umbruchzeiten, wo das konkrete Ziel erst schemenhaft am Horizont erkennbar wird. Einige werden sich vielleicht fragen, ob es in solchen Zeiten gut ist, wenn eine Pfarrerin die Gemeinde verlässt, zumal wenn sie als Vorsitzende versucht hat, das Gemeindeschiff durch die Strudel und Stürme zu manövrieren. Aber ich bin mir sicher, Ihr seid eine so starke Mannschaft, dass Ihr das Schiff auch weiterhin gut manövriert bekommt. Lotsen, die vorübergehend bei schwierigen Klippen und Untiefen helfen, können ja immer wieder zur Unterstützung mit an Bord genommen werden. Auch sehe ich eine große Chance für die anstehenden Veränderungsprozesse, denn ohne feste Pfarrstelleninhaber/in können in der Interimszeit gemeindliche Strukturen und Aufgaben noch mal ganz frei und neu überdacht und verändert werden. Ich mag keinen der Tage hier in der Garather Gemeinde, im Stadtteil und im Kirchenkreis missen. Es war ein gute und schöne Zeit für mich mit vielen bereichernden und nachhaltigen Begegnungen, großer Offenheit für Neues und Experimente, eine Zeit voller intensiver Erfahrungen – auch den nicht immer ganz leichten Erfahrungen der Mühsal, des Scheiterns und der Resignation, aber eben wichtigen Erfahrungen, die auch zum Leben gehören und es erst reich machen. Manches werde ich den Menschen hier auch schuldig geblieben sein. Und doch werde ich die Zeit in Garath und Hellerhof als eine reiche, intensive und wertvolle Zeit in Erinnerung bewahren. Für all das mir entgegen gebrachte Vertrauen und die konstruktive Zusammenarbeit möchte ich Euch, den Gemeindegliedern und den Menschen im Stadtteil und Kirchenkreis danken. Und danken möchte ich auch für die Wegbegleitung, die ich durch Euch erfahren habe. Meine Partnerin Anette und ich werden voraussichtlich in der ersten Septemberhälfte gen Süden ziehen, um dann am 15. September 2010 unsere neuen Stellen anzutreten. Anette hat eine Anstellung als Kindertagesstättenleitung in Bad Kreuznach gefunden. Bis wir aufbrechen bleibt noch einige Zeit für Gespräche, Übergaben und auch für die Verabschiedung. Das ist gut so, denn sicherlich wird es noch viele Fragen, einigen Gesprächsbedarf und manches zu erledigen geben. So lasst uns Vertrauen wagen auf den neuen Wegen, die wir gewiesen bekommen! Es grüßt Euch und Sie ganz herzlich Corinna Clasen
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